LITTERULA ‑ REZENSIONEN von Dipl. Bibl. Ulrike Schmoller ‑ www.litterula.de © www.litterula.de
Café
Krane

Cora Sandel:
Café Krane.

Urachhaus , 2019.
ISBN: 978-3-8251-5213-0
221 Seiten, EUR 19.--

Herr und Frau Krane geben sich alle Mühe, dass das Café Krane als anständiges Lokal mit Niveau angesehen wird. Eine Drehtür aus Glas spült die Gäste herein und es gibt große Fenster sowie eine Schiebetüre, die den Klubraum abtrennt. So wirkt alles modern und hell, ist freilich aber auch hellhörig, denn alle lauschen mit und klatschen und tratschen nach Herzenslust. So war es auch als der Skandal um Katinka Stordal seinen Lauf nahm. Kurz vor der Hundertjahrfeier der Stadt sitzt die begabte und gefragte Schneiderin erschöpft im Klubraum herum statt die zahlreichen bestellten Kleider der Damen fertig zu stellen. Ein Sturm der Entrüstung brandet auf, denn sie hat doch Schulden und zwei Kinder und so etwas gehört sich ja nun wirklich nicht. Alle meinen, helfend, neugierig oder betroffen ihren Senf dazu abgeben zu müssen und so wird das Café Krane zwei Tage lang zum Dreh- und Angelpunkt des Geredes und dabei kommt so allerhand auf den Tisch, was schon lange im Untergrund schwelt: zerbrochene Ehen, alte Liebschaften, Eifersüchteleien, Begehrlichkeiten, Schuldgefühle, Sehnsüchte und Abhängigkeiten. Das Wohl und Wehe der Stadt scheint von Katinka Stordal abzuhängen, die sich plötzlich weigert, die Erwartungen ihrer Mitmenschen zu erfüllen.

Es geht hoch her im Café Krane. Es ist amüsant, als Außenstehender zuzuschauen wie die Wellen um Katinka hoch schlagen, die einfach nicht mehr kann und will und sich dabei auch treu bleibt. Ehrlich und konsequent verweigert sie sich der bürgerlichen Etikette, die in den 1920er Jahren den Umgang bestimmte. Im Café Krane konzentriert Cora Sandel einen ganzen Kosmos. Das 1945 in Norwegen erschienene Buch liegt nun erstmals in deutscher Sprache vor. Eine wunderbare Entdeckung.

© by Ulrike Schmoller
www.litterula.de