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Die Reise zum Feuerschloss Anna van Praag:
Die Reise zum Feuerschloss.

Urachhaus, 2004.
ISBN: 3-8251-7461-1
170 Seiten, EUR 12,50 (ab 9 J.)
In einer Geschichte oder in einem Traum zu verschwinden ist für Kinder nicht schwer, zumal wenn sie echte Leseratten sind. Auch Stella wird in ein derartiges Abenteuer hineingezogen, das sich in einer anderen Wirklichkeit abspielt. Es beginnt damit, dass ihre Mutter mit großen Sorgen zu kämpfen scheint. Auf Stellas Nachfragen erzählt sie ihr eine der Kronenlegenden über das Land Insula, die in den alten Heften ihrer Oma Elvira stehen. Als dann ihre Mutter plötzlich verschwunden ist, weiß Anna, dass sie nach Insula gehen muss, um rettend einzugreifen. Ist sie der Held aus der Prophezeiung, der in zwei Welten lebt und das Licht auf die Insel zurückbringen kann, das Hypnos, der böse Gegenspieler von Myopia, zu verdunkeln versucht?
Insula ist nicht nur durch den Apfelkuchen von Oma Elvira ein kleines Paradies, sondern auch weil von dort aus die guten Träume zu den Menschen geschickt werden. In Myopia dagegen herrschen das Dunkel und die Kälte, das Niedere und Unbelebte. Dort gibt es den brodelnden Vulkan am Feuerschloss, der schwarzes Lava spuckt, und den See des stillen Grauens, in dem jeder das für ihn Schlimmste sieht. Hypnos, der als Kind in diesen See fiel, hat sich in einen bösen, unglücklichen Herrscher verwandelt, den Stella und ihre Freunde nur besiegen können, indem sie sein Herz erwärmen können, denn „Liebe ist die Waffe".
Mit den unterschiedlichsten Traumwesen bevölkert die Autorin Stellas Traumreise. Die zu bestehenden Gefahren sind archetypisch, etwa die schmale Brücke über ein Tal voller Schlangen oder wie Stella im See des stillen Grauens jegliche Orientierung verliert und sich selbst nicht verlieren darf. Der Fährmann mit seinem Boot wird zum Mittler zwischen Tag und Traum, der Fluss zum Symbol des Übergangs. Gut und Böse sind klar zugeordnet, doch ist es durchaus so, dass Frida Stella hilft und Hypnos‘ Verhalten durch sein Schicksal verständlich wird. Nur dadurch ist die Rettung am Ende möglich.
Schaut man auf den Entwicklungsschritt, den die Neunjährigen hinter sich bringen müssen, finden sich in diesem Buch viele Bilder, die diesem entsprechen. Stella verläßt ihre Kindheit und lernt die dunkle Seite des Lebens kennen, sie stellt sich ihrer Aufgabe und trennt sich schließlich auch von ihrem Traum-Freund Max. Wirklichkeit und Phantasie durchdringen sich weiterhin, doch kann Stella nun beides einordnen. Eine traumhafte Reise in eine andere Welt für Kinder zwischen neun und zwölf!

© Ulrike Schmoller
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